Weihnachtsbild 2018

ROSE Kirche

Wir haben erlebt und erfahren...

Der Erfahrungsbericht von Marlies

Basismodul 1 "Vom Zuhören zum Hören" ist beendet. Den Abschluss bildete ein festlicher Gottesdienst am 26.06.2016 im Gemeindezentrum Grafenwald mit Sendung und Segnung durch den Superintendenten.

Was haben wir bis dahin erfahren und erlebt - und vor allem gelernt?

Angefangen hat unsere Ausbildung zur ehrenamtlichen Seelsorgerin, zum ehrenamtlichen Seelsorger Anfang April mit einer Woche im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen für die Gruppe 1. Gruppe 2 hörte z. B. Anregungen aus der Systemischen Beratung in der Katholischen Akademie Schwerte. Es folgten dann ganze Tage im Gemeindezentrum Grafenwald, die mit einem Seminarwochenende mit beiden Gruppen abschlossen.

In dieser ganzen Zeit wurden wir von unserer Seminarleiterin, Pfarrerin Ulrike Mummenhoff, liebevoll und bestimmt mit dem für einige von uns nicht so vertrauten Gebiet bekannt gemacht. Wir haben gelernt, einfühlsam auf andere Menschen einzugehen, sie in ihrer Gesamtheit (Körper und Seele) zu sehen. Diese wunderbare Ausbildung hat uns auch sehr viel über uns gesagt, die wir uns alle fremd waren und sehr bald zu zwei Gruppen wurden, die auch zusammen sehr harmonierten.

Ich bin unendlich dankbar, mich zu dieser Ausbildung angemeldet zu haben, weil ich hier wertvolle Menschen kennengelernt habe, auf die ich mich immer wieder freue. Ich glaube zu wissen, dass es allen Seminarteilnehmern genau so geht.

Jetzt beginnt unser Praktikum in Gemeinde, Altenheim und Krankenhaus. Ich freue mich darauf, mit meinem Wissen für andere Menschen da sein zu können.

Der Erfahrungsbericht von Beate

Durch einen Zufall fiel mir ein Flyer der "Rose" in die Hände. Die Inhalte haben mich sofort angesprochen.

Ich interessiere mich für Menschen und ihren Lebensweg und wusste, dass ich die Gabe habe zuzuhören und mich einzufühlen.

Im April 2016 startete dann die 2 jährige Ausbildung zum ehrenamtlichen Seelsorger, mit einer intensiven Basiswoche in Essen.

Dort traf ich auf sehr verschiedene Menschen, die alle den gleichen Wunsch haben. Wir möchten in dieser schnelllebigen Zeit, Menschen etwas Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken.

Die erste Woche war ein sehr dichter Inhalt, der uns forderte. Durch die tiefen Gespräche und den vertrauensvollen Umgang fühlten wir uns schnell eng verbunden. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Es folgten noch einige intensive Ausbildungstage mit einer ausgewogenen Mischung aus Praxis und Theorie.

Durch die professionelle und zugewandte Anleitung von Frau Mummenhoff, lernten wir zu reflektieren, Gefühle zu erspüren und auch zu benennen. Wir wurden gestärkt unsere Persönlichkeit zu erkennen, anzunehmen und unseren eigenen Weg zu gehen.

Wir hatten Einblick in Kommunikation, Typenlehre, das Vier - Ohren Modell, das Älter- und Altwerden, Schwerhörigkeit, das Betrachten von Lebensabschnitten und wertvolle Biografiearbeit. Besonders vertiefend waren dann die Kleingruppen, in denen wir uns in Reflexion und Rollenspielen erproben konnten.

Nun fand am letzten Juniwochenende nochmals eine intensive Zeit mit Spiritualität und Gebet statt. Zum Schluss wurden wir in einem feierlichen Gemeindegottesdienst, an dem auch unsere Angehörigen und Freunde teilnahmen, vom Superintendenten Dietmar Chudaska in unseren ersten Praktikumsteil entsandt.

Wir gehen jetzt an unsere ausgewählten Praktikumsplätze in der Gemeinde, in Krankenhäusern und Altenheimen.

Mir zittern etwas die Knie, und ich hoffe und vertraue, dass ich mit dem nötigen Rüstzeug und Gottes Hilfe die ersten Seelsorgegespräche führen werde.

Monatlich haben wir dann in einer Supervision die Möglichkeit, uns auszutauschen und dann weiter zu lernen.

Im Januar 2017 startet das 2. Basismodul. Ich freue mich, die Rosegruppe gefunden zu haben. Sie ist zu einem wichtigen Teil in meinem Leben geworden.

Erstes Praktikum in der Ausbildungszeit zur ROSE-Seelsorgerin von Gabriele Pieper

Im Sommer begann für die ROSE-Ausbildungsgruppe 2018 die erste Praxisphase. Das erste Basismodul "Vom Zuhören zum Hören" haben wir erfolgreich durchlaufen, und ich fühle mich durch unsere Ausbilderin, Pfarrerin Ulrike Mummenhoff, gut vorbereitet.

Wir haben unsere unterschiedlichen Einsatzorte vor dem Praktikum kennen lernen können und konnten uns mit erfahrenen ROSEN austauschen. Während des Praktikums werden wir eng begleitet durch Supervision in der Gruppe, Fallbesprechungen und das Angebot, bei Bedarf Einzelgespräche zu führen. Der Sprung ins kalte Wasser kann erfolgen...

Mein Einsatzort wird die Reha-Klinik sein. Ich habe nochmals in unserem Grundlagenbuch - dem Ziemer - nachgelesen und mich mental vorbereitet. Trotz allem beschleichen mich Gedanken, ob ich mit meinem Seelsorge-Angebot auch erwünscht und den Anforderungen gewachsen bin.

Auf dem Flur sehe ich viele geschlossene Türen und ahne, dass hinter diesen Türen Räume für Gespräche sein werden. Mutig klopfe ich an eine Tür, gehe hinein, stelle mich und mein Angebot vor. Ich ernte einen erstaunten, aber offenen Blick und ein gutes Gespräch. Mein Mut verlässt mich nicht, und im Laufe des Gespräches wandle ich mich an manchen Stellen von einer Zuhörerin zur Hörerin. Es ist eine berührende Erfahrung, mit Menschen intensiv ins Gespräch zu kommen und sie zu begleiten. Einfühlsam und bestärkend wird mein erstes Gespräch gemeinsam mit meiner Ausbilderin nachbereitet.

Gut aufgestellt gehe ich weiterhin an meinen Einssatzort und erlebe dort viel Positives: ein aufgeschlossenes und freundliches Team von Pflegenden, das immer Gesprächspartner nennt; Menschen, die sich über Gespräche und Zuwendung freuen, die offen und interessiert sind; ein Ärzteteam, das die ROSE-Seelsorge wohlwollend mitträgt.

Jedes Gespräch ist anders - anders geprägt durch Sorgen, Gedanken und Erlebnisse meines Gegenübers. Jedes Gespräch ist wertvoll und bereichernd für mich selbst. Bestärkt auf dem richtigen Weg zu sein, freue ich mich und bin neugierig auf die weitere Ausbildung gemeinsam mit meiner ROSE-Ausbildungsgruppe. Neugierig bin ich auch auf die Menschen und Gespräche, die mir noch begegnen werden.

Gabriele Pieper

Der Erfahrungsbericht von Norbert

Da stehe ich vor der Tür zum Patientenzimmer. Welcher Mensch wartet hinter dieser Tür auf mich? Wartet überhaupt jemand darauf, mit mir ein Gespräch zu haben?

Die Stationsschwester in der "Kanzel" - so heißt hier die Zentrale, von der aus alle Tätigkeiten auf dieser Station gesteuert werden - hat mir zwar einen Namen genannt. Herr "M"ensch hätte gern mit jemandem gesprochen. Aber: bin ich der Richtige? Nun, ich bin vorbereitet, habe mir noch einmal die wichtigsten Theorie-Einheiten durchgelesen und mir unsere Praxis-Übungen in der Gruppe und Einzelgespräche in Erinnerung gerufen. Reicht es? Mitten in meinen (Selbst-) Zweifeln rufe ich mir ein paar Sätze in Erinnerung, die ich neulich gelesen hatte und die mir ein-leuchteten:

Seelsorge-Litanei (vor jedem Besuch leise oder laut zu singen):

 

"Ich weiß nichts, ich verstehe nichts von diesem Menschen.

Er weiß von sich alles und kann es mir mitteilen, wenn er will.

Ich sehe alles durch meine Brille, ich verstehe alles durch meine Person."

 

Ich singe das leise, schließlich will ich keine seltsamen Blicke ernten. Und es hilft. Ich klopfe und etwas ruhiger betrete ich das Zimmer. Drei Männer ungefähr in meinem Alter sehen mich erwartungsvoll an. Ich begrüße alle kurz und wende mich Herrn M. zu. Ich stelle mich als ehrenamtlicher Seelsorger von R.O.S.E vor und sehe, dass er nicht allzu heftig zusammenzuckt. Ganz im Gegenteil, er freut sich offensichtlich, dass ihm jemand diese unfreiwillige Wartezeit im Krankenbett verkürzen will. Er fragt, was es denn mit dieser Rose auf sich hat. Ich erkläre - er nickt. Aber es geht hier nicht um mich oder die Kirche, sondern um ihn.

Er erzählt, warum er im Krankenhaus ist, oh, doch schon 3 Monate mit Unterbrechungen, Reha und wieder zurück, das volle Programm. Herr M. wirkt freundlich. Es fällt uns leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich erfahre etwas über sein häusliches Umfeld, seine Hobbies, seinen früheren Beruf. Die Krankheit hat ihm Vieles genommen, was er früher gerne tat. Er schaut jetzt etwas traurig. Ja, auch die Besuche könnten häufiger sein, oft ist Langeweile angesagt. Vorsichtig frage ich nach Angehörigen. Es tun sich plötzlich Brüche auf. Es lief nicht alles gut mit den Kindern und jetzt kommen sie nur noch selten und wenn, machen sie Vorwürfe. Das Gespräch nimmt eine andere Richtung, es wird intensiver. Ein Mensch schließt vor mir sein Leben auf. Ich sage nicht viel, höre zu, aufmerksam. In meinem Kopf tauchen plötzlich meine eigenen Kinder auf. Ich merke, wie froh ich bin, dass zwischen uns alles klar ist - es hätte leicht auch anders kommen können. Ich konzentriere mich wieder auf meinen Gesprächspartner. Nach einiger Zeit wird er müder, die Augen gehen immer öfter zu. Er braucht jetzt Ruhe. Vielleicht will er noch einmal über das Gesagte und Gehörte nachdenken - vielleicht auch einfach nur schlafen. Wir verabschieden uns freundlich, er bedankt sich. Ob ich noch einmal wieder komme? Natürlich, gerne.

Wir freuen uns auch auf Ihre Erfahrungsberichte - schreiben Sie uns.

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